Fondsparen und Risikobereitschaft



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Schritt 3: Bestimmung des individuellen Risikotyps



Durch die Erstellung der Einnahmen-/Ausgabenrechnung und der Vermögensbestands-rechnung hat ein Anleger alle notwendigen Daten zusammen, um seinen individuellen Risikotyp zu bestimmen. Dies ist notwendig, da zwischen Rentabilität und Sicherheit (Risiko) einer Anlageform ein Zielkonflikt besteht (vgl. 2.3. Anlagekriterien S. 27).

Des Weiteren ist es für ein späteres Beratungsgespräch wichtig, dass der Anleger weiß, Risikotyp er zuzuordnen ist, da er bei einer Bank oder Sparkasse nach seinem individuellen Risikotyp gefragt wird. Dabei sind folgende 6 verschiedene Risikotypen denkbar:

Typ 1: sicherheitsorientierter Anleger
Typ 2: rentenorientierter Anleger
Typ 3: konservativer Anleger
Typ 4: wachstumsorientierter Anleger
Typ 5: chancenorientierter Anleger
Typ 6: spekulativer Anleger




Bei den meisten Banken und Sparkassen wird allerdings nur in folgende Risikotypen unterschieden:

Typ 1: konservativer Anleger
Typ 2: wachstumsorientierter Anleger
Typ 3: risikoorientierter Anleger


Was sagen die einzelnen Typen über einen Anleger im Bezug auf die Anlagekriterien (vgl. 2.3. S. 27) Sicherheit und Rentabilität aus ?

Konservativer Anleger: Bei der Auswahl einer Anlageform legt der konservative Anleger großen Wert darauf, dass die Anlageform eine hohe Sicherheit und eine kontinuierlich steigende Rendite erbringt. Dabei möchte er zwischenzeitliche Wert-schwankungen so gering wie möglich halten.

Wachstumsorientierter Anleger: Bei der Auswahl einer Anlageform achtet der wachstumsorientierte Anleger darauf, dass die gewählte Anlageform gute Ertragsaus-sichten liefert. Dazu ist er auch bereit zwischenzeitliche Wertschwankungen in Kauf zu nehmen. Des Weiteren ist er auch bereit, Teile seines Kapitals in Anlageformen zu investieren die hohe Wertschwankungen aufweisen, bei denen aber auch gleichzeitig hohe Rendite in Aussicht stehen könnten. Dabei achtet er allerdings darauf, dass die eingegangenen Risiken überschaubar bleiben.

Risikoorientierter Anleger: Bei diesen Anlegern sind Anlageformen selbstverständlich, die eine hohe Renditechance bieten. Dazu ist er auch bereit hohe Wertschwankungen in Kauf zu nehmen. Des Weiteren investiert dieser Anleger Teile seines Kapitals in sogenannte spekulative Anlageformen (z.B. Optionsscheine). Anmerkung: Für die Bestimmung des individuellen Risikotyps gibt es verschiedene Möglichkeiten. Da natürlich nicht alle dargestellt werden können, wird die Methode von Manfred Schwanfelder aufgezeigt.


Bestimmung des Risikotyps nach der Methode von Manfred Schwanfelder Bei dieser Methode werden zwei Risikotypen bestimmt. Dabei handelt es sich zum einen um den Risikotyp „Kopf“ und zum anderen um den Risikotyp „Bauch“.

1.) Bestimmung des Risikotyps „Kopf“ In diesen Risikotyp fließen nur objektive Faktoren ein. Objektive Faktoren sind:


Alter
bisheriges Vermögen (vgl. 2.2.2. Vermögensbestandsrechnung S. 16)
jährlicher Sparbetrag (vgl. 2.2.1. jährliche Einnahmen-/Ausgabenrechnung S. 12)
Einkommenssicherheit
Konsumverhalten
Verbindlichkeiten (vgl. 2.2.2. Vermögensbestandsrechnung S. 16)
Anlagedauer (sehr wichtig)

Im Nachfolgenden sollen die einzelnen Faktoren kurz beschrieben werden.

Alter: Hinter diesem Faktor steckt die Überlegung, dass junge Leute mehr Risiko eingehen können als ältere Menschen. Z.B. können junge Leute problemlos Schwankungen von Aktienkursen aussitzen.

Bisheriges Vermögen: Je mehr Vermögen ein Anleger besitzt, desto höher ist das Risiko das er eingehen kann. Z.B. kann ein mehrfacher Millionär es durchaus verkraften, wenn er durch spekulative Geschäfte 5.000.- EURO verliert. Des Weiteren kann er problemlos Schwankungen der Aktienkurse aussitzen. Dagegen kann ein normaler Arbeitnehmer, der vielleicht gerade ein Haus gebaut hat, es sich wahrscheinlich nicht leisten, durch spekulative Geschäfte 5.000.- EURO in den Sand zu setzen. Zu beachten ist, dass der Faktor „Bisheriges Vermögen“ unterteilt wird in:


Bisheriges Vermögen 1: hier wird nur der Wert von Immobilien abzüglich Kredite angesetzt
Bisheriges Vermögen 2: hier wird nur der Wert des Anlagevermögens angesetzt

Beide Werte sind aus der Vermögensbestandsrechnung (vgl. 2.2.2. Schritt 2: Erstellung einer Vermögensbestandsrechnung S. 16) zu entnehmen.

Jährlicher Sparbetrag: Nachdem ein Anleger die Einnahmen-/Ausgabenrechnung (vgl. 2.2.1. Schritt 1: Erstellung einer Einnahmen-/Ausgabenrechnung S. 12) erstellt hat, kann er anhand dieser seinen jährlichen Sparbetrag erkennen. Dabei gilt, dass je höher der Sparbetrag ist, desto höher kann auch das Risiko sein, welches er eingehen kann.

Anmerkung zu Einmalanlage: Anleger, die per Einmalanlage (d.h., es wird eine größere Summe auf einmal angelegt)

Konsumverhalten: Es gibt Anleger, die ein höheres Konsumverhalten haben als Andere. D.h., dass diese Leute großen Wert darauf legen, bestimmte Konsumartikel kaufen zu können (z.B. immer einen Computer besitzen, der den neuesten technischen Stand aufweist oder alle 4 Jahre ein neues Auto kaufen usw.). Um diese Konsumwünsche realisieren zu können, müssen sie dafür ausreichend Geld zur Verfügung haben. Die Folge davon ist, dass kein allzu großes Risiko eingegangen werden kann.

Verbindlichkeiten: Grundsätzlich gilt, dass je höher die Verbindlichkeiten eines Anlegers sind, desto geringer ist das Risiko das er bei der Anlage von Geld eingehen kann. Allerdings muss dabei unterschieden werden, ob die Verbindlichkeiten für Konsumgegenstände (z.B. Auto oder Computer) oder für Sachwerte (z.B. Immobilien) aufgenommen wurden. In der Regel kann derjenige Anleger, der Verbindlichkeiten für Sachwerte aufgenommen hat, ein höheres Risiko eingehen, als derjenige, der Verbindlichkeiten für den Kauf von Konsumartikeln aufgenommen hat.

Anlagedauer: Je länger das Geld angelegt werden kann, bzw. je länger der Anleger das angelegte Geld entbehren kann, desto größer ist das Risiko, das er eingehen kann. Der Idealfall wäre, wenn kein fester Zeitpunkt vorliegt, zu dem das Geld wieder benötigt wird. In diesen Fällen kann ein Anleger z.B. Kursverluste einer Aktie (oder auch den Rückgang der Anteilspreise eines Aktienfonds, Rentenfonds oder offenen Immobilienfonds) problemlos aussitzen. Hinsichtlich der Zeiträume wird die Anlage unterschieden in:


kurzfristige Anlagen 1 bis 5 Jahre
mittelfristige Anlagen 5 bis 10 Jahre
langfristige Anlagen über 10 Jahre

Nachdem nun die objektiven Faktoren bekannt sind, kann der Anleger seinen individuellen Risikotyp „Kopf“ nach folgender Checkliste bestimmen:


Tab. 2.7.: Checkliste: Risikotyp „Kopf“ (1 EURO = 1,95583 DM) Quelle: in Anlehnung an: vgl. Schwanfelder, W.: Geldanlage mit System, ...a.a.O., S. 10


Nach Ausfüllen der Checkliste, erhält man eine Gesamtpunktzahl. Erzielt ein Anleger folgende Gesamtpunktzahl, ist er folgendem Risikotyp zuzuordnen:

Gesamtpunktzahl von 5 bis 15 => Typ 1: konservativer Anleger
Gesamtpunktzahl von 16 bis 22 => Typ 2: wachstumsorientierter Anleger
Gesamtpunktzahl über 23 => Typ 3: risikoorientierter Anleger


Beispiel: Ein Anleger, 43 Jahre alt (sicherer Arbeitsplatz), hat aufgrund einer Einnahm- en-/Ausgabenrechnung festgestellt, dass er pro Monat 560.- EURO (6.720.- EURO jährlich) sparen könnte. Der Kredit für sein Haus, das er vor 10 Jahren gekauft hat, weist einen Stand von 60.000.- EURO auf. Das Haus wird mit einem Wert von 120.000 EURO beziffert. Des Weiteren besitzt er noch eine Eigentumswohnung, die vollständig bezahlt ist. Der Wert dieser beläuft sich auf 80.000.- EURO.

Neben dem Haus und der Eigentumswohnung hat er noch ein Anlagevermögen von 120.000.- EURO, welches in verschiedenen Anlageformen angelegt ist. Verbindlichkeiten liegen neben dem Kredit für das Haus nicht vor. Sein Wunsch, Konsumgegenstände zu kaufen, schätzt er selbst als hoch ein. Außerdem soll der Sparbetrag in 5 Jahren wieder zur Verfügung stehen. Aufgrund dieser Angaben ergibt sich folgender Risikotyp:


Tab. 2.8.: Beispiel: Risikotyp „Kopf“ (1 EURO = 1,95583 DM) Quelle: in Anlehnung an: vgl. Schwanfelder, W.: Geldanlage mit System, ...a.a.O., S. 10


Ergebnis: Die Gesamtpunktzahl des Anlegers beträgt 19. Damit gilt er als wachstums-orientierter Anleger.


Bestimmung des Risikotyps „Bauch“

Neben objektiven Faktoren spielen bei der Auswahl einer Anlageform auch subjektive Faktoren eine Rolle. Um diese zu berücksichtigen, sollte ein Anleger vor seiner Anlageentscheidung auch den Risikotyp „Bauch“ bestimmen. Folgende Checkliste muss dazu ausgefüllt werden:


Tab. 2.9.: Checkliste: Risikotyp „Bauch“
Quelle: in Anlehnung an: Vgl. Schwanfelder, W. : Alles was man über Investmentfonds wissen muss, ...a.a.O., S. 92 u. 93


Nachdem auch diese Checkliste ausgefüllt wurde, erhält man ebenfalls eine Gesamtpunktzahl. Erzielt ein Anleger folgende Punktzahl, ist er folgendem Risikotyp zuzuordnen:


Gesamtpunktzahl von 4 – 10 => konservativer Anleger
Gesamtpunktzahl von 11 – 16 => wachstumsorientierter Anleger
Gesamtpunktzahl über 16 => risikoorientierter Anleger Beispiel: Der Anleger aus dem obigen Beispiel beantwortet die Fragen zum Risikotyp „Bauch“ folgendermaßen


Tab. 2.10.: Beispiel: Risikotyp „Bauch“ (1 EURO = 1,95583 DM)
Quelle: in Anlehnung an: vgl. Schwanfelder, W. : Alles was man über Investmentfonds wissen muss, ...a.a.O., S. 92 u. 93


Ergebnis: Die Gesamtpunktzahl des Anlegers beträgt 12. Damit gilt er als wachstums-orientierter .

Fazit: In beiden Fällen (bei Risikotyp „Kopf „ als auch bei Risikotyp „Bauch“), stellte der Anleger fest, dass er zum Anlegertyp „wachstumsorientiert“ zu zählen ist. D.h. es liegt hier der Idealfall vor, da objektive und subjektive Faktoren übereinstimmen somit ist die Voraussetzung gegeben, dass sich der Anleger für eine Anlageform entscheidet, die seinen individuellen Wünschen entspricht. Würden die beiden Risikotypen nicht übereinstimmen, sollte dies dem Anleger ein Warnsignal sein. gefährlich ist es, wenn er z.B. beim Risikotyp „Kopf“ als konservativer Anleger einzustufen ist, er aber beim Risikotyp „Bauch“ als risiko-orientierter Anleger einzustufen ist. Ist dies der Fall, so stimmen objektive und subjektive Faktoren nicht überein. In diesem Fall sollte der Anleger sehr vorsichtig bei seiner Anlageentscheidung vorgehen, da die Gefahr groß ist, dass er in eine Anlageform investiert, die nicht seinen individuellen Wünschen entspricht.

Empfehlung: Stimmen die Risikotypen „Kopf“ und „Bauch“ nicht überein, sollte man für die spätere Anlageentscheidu ng den Risikotyp „Kopf“ bevorzugen, da dieser nur objektive Faktoren berücksichtigt und somit für den Anleger nicht die Gefahr besteht, dass er sich aufgrund subjektiver Faktoren für eine falsche Anlageform entscheidet.

Beachte: Der individuelle Risikotyp eines Anleger verändert sich natürlich im Laufe der Zeit, so dass dieser in gewissen Abständen überprüft werden und u.U. neu definiert werden muss.

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